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KI-Tage: Warum die Kommune eingebunden sein sollte

KI-Tage: Warum die Kommune eingebunden sein sollte

Haiger, 09.02.2026 (vb)

KI in der Kommune – warum Verständnis heute über gutes Gemeinwesen entscheidet

Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema mehr. Sie steckt längst in unserem Alltag: in Smartphones, Navigationssystemen, Übersetzungen, Kundenhotlines oder bei der Auswertung großer Datenmengen. Oft unbemerkt, manchmal kritisch beäugt – aber mit wachsender Wirkung auf nahezu alle Lebensbereiche. Genau deshalb reicht es nicht, KI nur als technisches Spezialthema zu betrachten. Sie ist eine gesellschaftliche Querschnittsaufgabe.

Gerade die kommunale Verwaltung spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sie ist einer der tragenden Pfeiler unseres Gemeinwesens – nah an den Menschen, zuständig für konkrete Anliegen und zunehmend unter Druck: demografischer Wandel, Fachkräftemangel, steigende Anforderungen, begrenzte Ressourcen. Digitalisierung und KI sind hier kein Selbstzweck, sondern ein mögliches Werkzeug, um Handlungsfähigkeit zu sichern.


Was kleine Verwaltungen von Vorreitern lernen können

Dass auch kleinere Kommunen diesen Weg erfolgreich gehen können, zeigt das Beispiel des Amt Mittelangeln in Schleswig-Holstein. Mit rund 10.500 Einwohnerinnen und Einwohnern hat man dort früh erkannt: Digitalisierung beginnt nicht mit Software, sondern mit Organisation, Prozessen und den Menschen in der Verwaltung.

Unter dem Leitsatz „Organisation vor Technik“ wurden Arbeitsabläufe gemeinsam mit den Mitarbeitenden analysiert, vereinfacht und anschließend mithilfe einer sogenannten Low-Code-Plattform digital umgesetzt. Das Ergebnis:

  • Bürgeranträge können online abgewickelt werden,
  • Gebühren werden automatisiert berechnet,
  • Bescheide digital bereitgestellt,
  • der Aufwand für einzelne Verfahren sank teils um bis zu 75 %.

Der entscheidende Punkt dabei: Die Mitarbeitenden wurden von Anfang an eingebunden, geschult und ernst genommen. Digitalisierung wurde als Kulturwandel verstanden – nicht als technisches Diktat.


KI in der Verwaltung: Entlastung statt Entfremdung

Über klassische Prozessdigitalisierung hinaus eröffnet KI neue Möglichkeiten:

  • Unterstützung bei der Bearbeitung standardisierter Anfragen,
  • intelligente Vorprüfung von Anträgen,
  • bessere Terminsteuerung,
  • verständlichere Bürgerkommunikation,
  • Auswertung von Daten zur besseren Planung.

Richtig eingesetzt kann KI entlasten, nicht ersetzen. Sie schafft Freiräume für das, was Verwaltung im Kern ausmacht: Beratung, Abwägung, Verantwortung und den direkten Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern. Gleichzeitig wirft sie Fragen auf: Transparenz, Datenschutz, Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen und Akzeptanz.


Demografischer Wandel trifft Digitalisierung

Der demografische Wandel verschärft die Lage zusätzlich. Weniger Personal, eine älter werdende Bevölkerung, steigende Erwartungen an Service und Erreichbarkeit. KI und digitale Lösungen können helfen, diese Lücke zu überbrücken – aber nur, wenn sie verständlich, barrierearm und inklusiv gestaltet werden.

Digitale Teilhabe ist dabei kein „Nice-to-have“, sondern Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Initiativen wie HaiDigital zeigen, wie wichtig es ist, alle Generationen mitzunehmen und Berührungsängste abzubauen.


Braucht es einen Digitalbeauftragten in der Kommune?

In diesem Umfeld stellt sich die berechtigte Frage: 

Macht ein Digital- oder KI-Beauftragter auf kommunaler Ebene Sinn?

Vieles spricht dafür – gerade in kleineren Verwaltungen:

  • als strategische Schnittstelle zwischen Verwaltung, Politik, IT, Bürgerschaft und externen Partnern,
  • als Koordinator für Fördermittel, Pilotprojekte und Nachnutzung bestehender Lösungen,
  • als Ansprechpartner für Fragen rund um KI, Datenschutz und Ethik,
  • als Impulsgeber für Weiterbildung und Organisationsentwicklung.

Ein solcher Beauftragter ersetzt keine Fachabteilungen, sondern verbindet sie.


Bürgerbeteiligung: Fachwissen aus der Stadt nutzen

Ebenso sinnvoll ist es, Fachwissen aus der Bürgerschaft einzubinden. In vielen Städten gibt es IT-Fachleute, Pädagoginnen, Unternehmer, Ehrenamtliche oder Journalistinnen, die sich mit Digitalisierung und KI auskennen. Beteiligungsformate – Workshops, Beiräte, Aktionstage oder Dialogveranstaltungen – können helfen, Perspektiven zu bündeln, Vertrauen aufzubauen und Fehlentwicklungen früh zu erkennen.

Die geplanten KI-Tage in Haiger zeigen, wie ein solcher Dialog aussehen kann: praxisnah, niedrigschwellig und generationenübergreifend.


Fazit: KI ist eine Gestaltungsfrage

KI wird kommen – die entscheidende Frage ist wie.


Ob sie Verwaltung und Gesellschaft stärkt oder verunsichert, hängt davon ab, ob wir sie aktiv gestalten, erklären und einordnen. Kommunen haben dabei eine besondere Verantwortung: Sie sind nah an den Menschen, konkret, greifbar und vertrauensstiftend.

Digitale Verwaltung mit Augenmaß, Beteiligung und klarer Haltung kann ein wichtiger Baustein für ein zukunftsfähiges, solidarisches Gemeinwesen sein. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, diese Debatte offen zu führen – gemeinsam.

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